Unterrichtsmethoden im naturwissenschaftlichen Unterricht

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  Kooperatives Lernen ist mehr als nur Gruppenarbeit ....

... denn alle Schülerinnen und Schüler einer Lerngruppe sind in den Arbeitsprozess involviert. Verursacht wird dies durch ritualisierte Handlungen sowie eine schüleraktivierende und konstruktivistische Unterrichtsgestaltung.

Wie geht das?
Zu Beginn werden Zufallsgruppen gebildet. Innerhalb dieser Zufallsgruppen werden Gruppenarbeitsfunktionen (z.B. Zeitwächter, Protokollant, Materialbeschaffer .....) verteilt - bei ungeübten Gruppen durch die Lehrperson, mit der Zeit eventuell auch durch die Gruppenmitglieder selbst. Es folgt eine erste  Arbeitsphase, in der jeder Schüler für sich mit der Arbeitsaufgabe betraut ist (Stillarbeitsphase - THINK). Anschließend folgt eine erste Austauschphase mit einer anderen Person statt (PAIR), um die eigenen Arbeitsergebnisse mit denen des Anderen abzugleichen und eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Zum Ende folgt die Präsentation des Arbeitsergebnisses (SHARE), wobei der Präsentator durch ein Zufallsprinzip ausgelost wird. Zu Beginn des kooperativen Arbeitens ist der Lerngruppe unbekannt, wer letztendlich präsentiert. Es müssen sich alle Mitglieder der Lerngruppe auf eine mögliche Präsentation vorbereiten!

Die Erfolgsbedingungen für ein solches, gelingendes kooperatives Lernen sind die Schaffung einer sichere Lernatmosphäre, die Umsetzung der fünf Basiselemente sowie die unterrichtlichen Aktivitäten im Sinne des Dreischritts Think - Pair - Share.
   

Eine sichere Lernumgebung zeichnet sich dadurch aus, dass Schülerinnen und Schüler während der kooperativen Unterrichtssituation ein Gefühl der Sicherheit verspüren. Dazu muss ihnen klar sein, was von ihnen erwartet wird. Dies bezieht sich sowohl auf die zu erledigende Aufgabenstellung als auch ihr Arbeitsverhalten und die Arbeitshaltung ihrer Mitschüler. Des Weiteren muss ein Gefühl der Zugehörigkeit sowie des "Man-selbst-Sein" geschaffen werden. Vereinfacht gesagt müssen sich die Schülerinnen und Schüler wohl in ihrer Haut fühlen.

Da sich kooperatives Lernen aus Zeiten der Einzel-, der Partner- und auch der Gruppenarbeit zusammensetzt, sind für die Effektivität 5 Basiselemente  (nach JOHNSON & JOHNSON 1999) entscheidend:
1.) Positive Abhängigkeit ("Gemeinschaftsgefühl"): Jedes Mitglied einer Arbeitsgruppe hat die Verantwortung für die Erfüllung der gestellten Aufgabe und dafür, dass die Gruppenmitglieder die Aufgabenstellung ebenfalls erfüllen können.
2.) individuelle Verantwortungsübernahme: Die Gruppenmitglieder stärken und fördern sich gegenseitig durch Informationsaustausch und gegenseitiges Helfen bei Schwierigkeiten, denn jeder Einzelne ist für das Endergebnis mit verantwortlich. Darüber hinaus muss jedes Mitglied der Gruppe die Gruppenergebnisse präsentieren können.
3.) Gruppenstrategien / Gruppenevaluation: Die jeweilige Gruppe muss reflektieren, welche Aktivitäten und Methoden hilfreich waren und welche die Arbeit behinderten.
4.) Soziale Fähigkeiten: Effektives kooperatives Lernen setzt den rücksichtsvollen Umgang miteinander voraus. Dazu sind Interaktions- und Kommunikationsfähigkeiten wichtig, die zugleich auch geschult werden.
5.) Face-to-face-Interaktion: Gruppenmitglieder befinden sich in unmittelbarer Nähe; direkte Absprachen oder Dialoge sind ständig möglich und notwendig für ein effektives sowie erfolgreiches Arbeiten in der Gruppe.

Obschon von 5 Basismerkmalen die Rede ist, geht vor allem von der positiven Abhängigkeit als auch von der individuelle Verantwortung eine besondere Bedeutung aus. Der Arbeitsauftrag muss so beschaffen sein, dass jedes Mitglied der Lerngruppe seinen Teil zur Gesamtlösung beitragen kann. Gerade in heterogenen Lerngruppen kann auf diesem Wege eine hohe Zufriedenheit geschaffen werden. Wenn den Schülerinnen und Schülern klar ist, dass sie nur miteinander zur Gesamtlösung kommen können, steigt so die Verantwortung für das eigene Handeln in den einzelnen kooperativen Arbeitsphasen. Keiner möchte sich eine Blöße geben oder die Anderen enttäuschen.

Die letzte Säule des kooperativen Lernens bilden die unterrichtlichen Aktivitäten. Alle kooperativen Lernarrangements beinhalten die bereits genannten drei Arbeitsphasen Think, Pair und Share. Manchmal bietet es sich an, in einer Vierergruppe ein präsentables Gesamtergebnis erzielen zu lassen. Diese "vierte" Arbeitsphase nennt sich Square.

Die Vorteile des kooperativen Lernens liegen auf der Hand:

- Die Schüler erhalten mehr Verantwortung für ihren Lernprozess; der Lehrer zieht sich aus der Rolle des Lehrenden zurück und hat verstärkt die Möglichkeit, das Arbeitsverhalten der Schüler zu beobachten.
- Dieses ritualisierte Prinzip bietet Sicherheit: Schwache und stille Schüler erhalten die Gelegenheit, in einem definierten Rahmen nachzudenken und sich in Kleingruppen gegenseitig zu unterstützen.
- Jeder Schüler muss sich am Anfang mit der Aufgabe beschäftigen, er kann der Einzelarbeit nicht ausweichen, da ja anschließend im Tandem weiter gearbeitet werden soll.
- Aus der Lernforschung ist bekannt, dass die kognitive Durchdringung von Sachverhalten im kommunikativen Austausch vertieft wird. Die Förderung der Fachkommunikation ist immanenter Bestandteil eines kompetenzorientierten Unterrichts. Auch haben Schüler ein Bedürfnis nach Kommunikation - daher ist die Austauschphase in dreierlei Hinsicht vorteilhaft!

Letztendlich steigt die Beteiligung am Unterrichtsgeschehen, was sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrern für mehr Zufriedenheit und Motivation sorgt. Selbst die Hattie-Studie kommt zu dem Schluss, dass dem kooperativen Lernen eine hohe Wirksamkeit auf den Lernerfolg zu attestieren ist

Diese Unterrichtsmethode muss, damit sie Erfolg versprechend und für alle Beteiligten zufriedenstellend abläuft, wie jede andere ritualisierte Methode eingeführt und trainiert werden.
Gerade in der Anfangsphase versuchen die Schüler gern, die Einzelarbeit zu vermeiden. Hier gilt es als Lehrkraft von Anfang an darauf zu achten, dass alle drei Phasen korrekt erfolgen. Auch ist der zeitliche Aufwand immer wieder zu berücksichtigen. In 90 Minuten lassen sich kooperative Lernsituationen sehr gut inszenieren, wohin gegen im 45-Minutentakt die Aufgabenstellung entsprechend zu konfektionieren ist. Dies gilt auch für die Auswahl der kooperativen Lernmethode.
Komplexe kooperative Methoden wie das Gruppenpuzzle lassen sich sicherlich auf mehrere Einzelstunden aufteilen, was für das Lerntempoduett nicht geht.















































       
© Michael Hänsel