Jenaplan-Pädagogik

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Biographie Peter Petersen
Grundlagen
Umsetzung des Jenaplans
 
 
 

  Wer war Peter Petersen?

Peter Petersen wurde am 26.Juni 1884 in Großenwiehe bei Flensburg als erster Sohn einer Bauernfamilie geboren. Weitere sechs Geschwister folgten, so dass er in einer Großfamilie auf dem Land aufwuchs. Hier erfuhr er den Zusammenhalt und die erzieherische Wirkung der Großfamilie, die sich auch später in seiner Pädagogik niederschlagen soll. Andererseits lernte Peter Petersen in seiner Kindheit und Jugend die Bedeutung sinnerfüllter Arbeit auf dem elterlichen Hof und im Moor als positiv für die Entwicklung eines Heranwachsenden kennen.

Von der Dorfschule zur Universität
Seine Schullaufbahn startet Petersen 1890 an der örtlich Dorfschule, in der jahrgangsübergreifend unterrichtet wurde. Petersen beschreibt diese fünf Schuljahre als lehrreich und prägend - hier durfte Petersen sich mit Inhalten selbstständig auseinandersetzen und seinem Lerntempo entsprechend erwerben. Auf Empfehlung wechselt Petersen im Herbst 1896 an das Königliche Gymnasium zu Flensburg, wo er den Gegenentwurf zur Dorfschule am eigenen Leibe erfuhr: Die autoritäre Schule des Kaisers hatte ausschließlich das Ziel, treue Untertanen zum Erhalt der gesellschaftlichen Strukturen zu erziehen. Unter den vielen großbürgerlichen und bürgerlichen Mitschülern fühlt sich Petersen sehr unwohl und erfährt eine große Einsamkeit durch Ausgrenzung. Mit dem Abitur 1904 beginnt er in Leipzig das Studium der evangelischen Theologie, Geschichte, Philosophie und Englisch. Zwischenzeitlich  wechselt er an die Universitäten Kiel, Kopenhagen und Posen. 1909 schließt Petersen sein Studium zum Lehrer an Gymnasien ab und promoviert.   

   


Die Lehrertätigkeit Peter Petersens
Das Referendariat trat Peter Petersen im Alter von 25 Jahren am Leipziger Königin-Carola-Gymnasium an. Bereits nach einem halben Jahr beginnt die Entwicklung Petersens zum Schulreformer: Er wechselt an die renommierte Gelehrtenschule Johanneum in Hamburg, wo er im Anschluss an das Referendariat als Oberlehrer verbleibt. Hamburg gilt in dieser Zeit als Brennpunkt pädagogischer und bildungspolitischer Reformbestrebungen. Vor allem die Volksschulbewegung ist hier sehr aktiv. Es war der "Bund für Schulrefom", durch den Petersen zum andersdenkenden Oberlehrer mutierte. Es brauchte insgesamt 10 Jahre, bevor er mit einer Gruppe progressiver Oberlehrer das konservative Johanneum verlässt und an die bis heute bekannte, reformpädagogisch ausgerichtete Lichtwarkschule wechselte. Mit der Wahl zum Schulleiter prägt er maßgeblich die Pädagogik der Schule. Elemente der Jenaplan-Pädagogik wurden hier ausprobiert.

Der Hochschullehrer Petersen
Überraschend erhält Peter Petersen 1923 einen Ruf an die Universität Jena; er soll die Nachfolge des Herbartianers Wilhelm Rein am Lehrstuhl für die Volksschullehrerausbildung antreten. Vom ersten Tag an steht der "rote" Petersen aus Hamburg im Kreuzfeuer, bricht er doch mit der Lehre seines Vorgängers. Trotz aller Behinderungen baut er eine reformpädagogische Schule nach Hamburger Muster auf und startet 1925 seine Universitätsübungsschule, in der zu fast gleichen Anteilen Kinder von  Akademikern, Zeißchen Wissenschaftlern und Arbeitern sitzen. In dieser "Petersen-Schule" entwickelt Peter Petersen seinen Jena-Plan.
Weltweite Bekanntheit erfährt Petersens Pädagogik 1927 auf einer Tagung des "Weltbundes für Erneuerung in der Erziehung" in Locarno: Die Teilnehmer titulieren den vorgestellten Schulversuch als "Jena-Plan".

   


Die NS-Zeit
Die Rolle des Pädagogen Peter Petersen während der NS-Zeit wird kontrovers diskutiert: Sicher ist, dass Petersen keine Mitglied der NSDAP war; dokumentiert ist lediglich der Eintritt in den Nationalsozialistischen Lehrerbund. Es sind Artikel und Vorträge bekannt, in denen Petersen NS-Ideologien aufgreift. Es gibt aber auch viele Anzeichen dafür, dass Peter Petersen mit dem Strom schwamm, um sein nicht NS-konformes Schulmodell in Jena zu erhalten.

Petersen nach 1945
Nach dem Krieg wird Peter Petersen als Professor an der Universität Jena eingesetzt. Seine Hoffnung, die Reformpädagogik weiter voran zu bringen, scheitert, als die DDR-Regierung seine Universitätsübungsschule 1950 als "reaktionäres Überbleibsel aus der Weimarer Republik" schließt. Die Versuche, eine Professur in Westdeutschland anzutreten, verlaufen im Sande.
Nach kurzer Krankheit stirbt Peter Petersen am 21.März 1952 in Jena; seine Urne wird am Heimatort Großenwiehe beigesetzt.   
 

Peter Petersen ist es gelungen, Reformbestrebungen von den großen Reformpädagogen seiner Zeit zu einem schlüssigen und ausgewogenen Schulkonzept zu integrieren. Zeitlebens stand Petersen im Kreuzfeuer der Kritik; die Idee des Jenaplans fand nur wenig Verbreitung. Dies hat sich nach 1950 entscheidend verändert. Es mehren sich die Schulen, welche nach dem Jenaplan unterrichten.
 

 

© Michael Hänsel