Konstruktivismus

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  Was versteht man unter dem  Konstruktivismus in der Schulpädagogik?

In der Pädagogik gibt es nicht den Konstruktivismus, vielmehr handelt es sich dabei um die Bezeichnung verschiedener pragmatischer Überzeugungen zur Erklärung von Lernprozessen: Demnach erschafft sich der Lernende eine individuelle Repräsentation der ihn umgebenden Welt, die von dem Lernenden selbst, seinen Wahrnehmungen und individuellen Erfahrungen abhängig ist.

Beim pädagogischen Konstruktivismus handelt es sich nicht um eine neue Denkweise; bereits Jean Paget (1896 - 1980) erkannte in seinen Untersuchungen, dass Lernen aus einem eigenen Antrieb erfolgen muss. Dabei konstruiert der Lernende seine eigene Wirklichkeit, die er mit der realen Umwelt abzugleichen versucht. Das daraus entstehende Wechselspiel von innerem Schema und Abgleich mit der Umwelt führt zum Aufbau von Wissen. Eine Weiterführung seiner Theorie gehen auf Lew S. Wygotski (1896 - 1934), John Dewey (1859 - 1952) und Jerome S. Bruner (*1915) zurück.
Alle diese pädagogischen Ansätze manifestieren sich in Deutschland aktuell in der durch Kersten Reich (Universität Köln) begründeten interaktionistisch-konstruktivistischen Pädagogik.

Was genau steckt nun dahinter? Ich möchte dies anhand der nachfolgenden Zeilen verdeutlichen: Was nämlich beim Lesen dieses Textes ausgelöst wird, bestimmt - zum Leidwesen eines jeden Autors - ausschließlich der Leser. Die beim Lesen auftretenden Gedanken sind dabei abhängig von der Individualität und Biographie des Lesers sowie der sitativen Einbettung! Somit ist die Wirkung des Textes von Leser zu Leser unterschiedlich, obwohl doch alle dasselbe gelesen haben!

Auf den Schulalltag bezogen besteht seitens des Lehrers der Wunsch, dass die Lernenden die ihnen dargebotenen Inhalte möglichst genau aufnehmen, aneignen und wiedergeben können - Informationen werden in die Gedankenwelt des Individuums transferiert! Aus der Sicht des Konstruktivismus ist dies nicht möglich. Der Lernende konstruiert vielmehr durch Rekonstruktion (Entdecken von Welt), Konstruktion (Erfinden der Welt) und Dekonstruktion (Kritisieren der Welt) sein Weltwissen. Die Rolle des Lehrers wandelt sich vom reinen Wissensvermittler hin zum Lernberater: Er hält sich im Hintergrund, schafft Lernumgebungen und stellt Wissensquellen zur Verfügung. Die Schüler dagegen arbeiten selbstständig an den vorgegebenen Aufgabenstellungen, klären Fragen und Probleme untereinander und präsentieren abschließend ihre Lernprodukte.  Auf diesem Wege bauen sie neues Wissen auf, sie konstruieren für sich die sie umgebende Umwelt und knüpfen an bestehendem Wissen an.

Damit dies aber möglich ist, werden verschiedene Voraussetzungen benötigt:
Der Lernende benötigt dafür Basiswissen, an dass angeknüpft werden kann; er benötigt methodische Techniken, um Wissen zu erkennen, zu verarbeiten und in Form des Lernproduktes zu präsentieren. 
Und gerade diese Voraussetzungen müssen grundgelegt werden durch den Lehrer!

    empfehlenswerte Literatur zum Thema:
DUBS, Rolf (1995): Konstruktivismus: Einige Überlegungen aus der Sicht der Unterrichtsgestaltung. Zeitschr. für Pädagogik, 41. Jg., Nr. 6, S. 889-903.
GERSTENMAIER, Jochen / MANDL, Heinz (1995): Wissenserwerb unter konstruktivistischer Perspektive. Zeitschr. für Pädagogik 41.Jg, Nr. 6, S. 867-888
REICH, Kersten (2008): Konstruktivistische Didaktik. Lehr und Studienbuch mit Methodenpool. 4. Aufl., Weinheim.
REICH, Kersten (2010): Systemisch-konstruktivistische Pädagogik. Eine Einführung in die Grundlagen einer interaktionistisch-konstruktivistischen Pädagogik. 6. Aufl., Weinheim.
SIEBERT, Horst (2005): Pädagogischer Konstruktivismus. Lernzentrierte Pädagogik in Schule und Erwachsenenbildung. 3. überarb. und erw. Aufl., Weinheim
VOß, Reinhard Hrsg. (2005): Unterricht aus konstruktivistischer Sicht. Die Welten in den Köpfen der Kinder. 2. überarb. Aufl., Weinheim.
 
© Michael Hänsel