Begabungsförderung in der Schule

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  Wie lässt sich Begabung in der Schule erkennen?

Die Diagnostik von (Hoch-)Begabung insbesondere im Kinder- und Jugendalter ist ein Thema, zu dem unheimlich viel Literatur veröffentlicht wird. Diese Flut der Veröffentlichungen zeigt, dass das zugrunde liegende Problem bis heute nicht gelöst ist!

hohe Intelligenz = Hochbegabung?
Lange Zeit wurde (Hoch-)Begabung mit einer hohen Intelligenz gleich gesetzt. Folglich wurden Hochbegabte mittels psychologischer Diagnostik durch Testung ihrer Intelligenz mit einem Intelligenz-Test identifiziert. Dabei wurde der Intelligenzquotient, also eine Indexzahl für die Stellung innerhalb einer Vergleichsgruppe, berechnet. Als sogenannter cut-off-Wert wurde ein IQ von über 130 angenommen.

Der amerikanische Begabungsforscher Lewis Terman unterstellte sogar einen Wert von über 135 für Hochbegabung.

Bis heute gilt in der psychologischen Diagnostik die Intelligenztestung als probates Diagnoseinstrumentarium. Sehr häufig wird dazu der HAWIK-IV (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder IV) verwendet. Dieser Intelligenztest erfasst die kognitive Leistungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen, in dem er den kognitiven Entwicklungsstand mit den fünf Intelligenzwerten Sprachverständnis, Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken, Arbeitsgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie den Gesamt-IQ misst. Seit 2011 wird dieser Intelligenztest auch als WISC IV (Wechsler Intelligence Scale for Children IV) bezeichnet - hierbei handelt es sich um denselben Intelligenztest!

Hohe Leistung ist das Produkt aus mehreren Faktoren 
Bereits seit 1978, als der amerikanische Psychologe J.S. Renzulli ein mehrdimensionales Begabungsmodell vorstellte, gilt in der Hochbegabungsforschung die Feststellung, dass Intelligenz allein nicht unbedingt zu einer Hochbegabung führt. Dies haben viele Studien, unter anderem eine Langzeitstudie von Lewis Terman in den USA (sogenannte Terman-Studie) gezeigt. Es ist vielmehr der kreative Umgang mit der eigenen Intelligenz, woraus sich langfristig hohe Leistungen ergeben können. Grundsätzlich ist nach wie vor das Vorhandensein eines Potenzials für Hochbegabung notwendig, welches im Menschen vorliegt. Dieses Potenzial gilt es aber durch den Lern- und Entwicklungsprozess zu kultivieren, dem Menschen bewußt zu machen und dazu beizutragen, dass die weiterentwickelten Potenziale für eine Leistungsperformanz sorgen! Hiermit sind nicht nur überdurschnittliche Schulleistungen oder sportliche bzw. musikalische Leistungen gemeint - Begabung äußert sich in vielfältigen Ausformungen! Da die im Individuum liegenden Potenziale sehr vielfältig sind, ist auch das Begabungspotenzial heterogen.

Trends der Diagnostik
In der heutigen Zeit wird daher bei der Diagnostik von (Hoch-)Begabung verschiedenste Verfahren durchgeführt mit der Zielsetzung, möglichst viele Menschen als begabt zu identifizieren und entsprechend fördern zu können.

Ein wichtiger Bestandteil der Diagnose ist die Beobachtung des Betreffenden durch Eltern, Lehrer und Bekanntenkreis. (Hoch-)Begabte zeigen gern bereits im Säuglingsalter eine ungewöhnliche Wachheit, haben häufig eine rasche Auffassungsgabe und können sich viele Informationen merken. Auch verfügen sie vielfach über ein für ihr Alter außergewöhnlich hohen Wortschatz, können ungewöhnlich komplexe Sätze bilden oder Feinheiten von Sprache besser erfassen (James T. Webb et. al. 2012). Diese Merkmale dienen jedoch nur als Hinweis - hier könnte sich aber eine psychologische Diagnostik anschließen.

Die psychologische Diagnostik sollte sich nicht ausschließlich auf einen Intelligenztest beschränken, vielmehr ist eine Kombination aus verschiedenen Testverfahren denkbar.
Die Münchner Hochbegabungstestbatterie (MHBT) bietet hier einen speziell auf Hochbegabung ausgerichteten kognitiven Fähigkeitstest (KFT HB) an. Dieser testet das logische Denken, die verbalen Fähigkeiten sowie numerischen Fähigkeiten und ist speziell für die Testung von Hochbegabten entwickelt worden. Da aber (Hoch-)Begabung auch weiterer Befähigungen bedarf, könnte diese Testung durch einen Fragebogen zur Leistungsmotvation für Schülerinnen und Schüler (FLM) ergänzt werden. Hierbei lassen sich aus der Selbsteinschätzung des getesteten Kindes Aussagen zu motivationalen, volitionalen und emotionalen Aspekten erzielen, die in Kombination mit dem Intelligenztest zu einem facettenreicheren Bild des Kindes führen.
In der Erprobung sind auch sogenannte Kreativitätstests, die Aussagen über diese bei Begabung besonders ausgeprägten Befähigungen liefern. Diese sind aktuell noch nicht in der Standardisierung, können aber bei der Diagnose durchaus helfen.


Problem Diagnostik
Auch wenn es Testverfahren gibt, bedeutet es nicht, dass Hochbegabung zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Zum einen liegt es an der Testdiagnostik an sich: Sie ist immer durch zwei Fehlertypen behaftet. Zum zweiten liegt es an der Testsituation: Hierbei handelt es sich um eine außergewöhnliche Situation, die auch vom Getesteten außergewöhnlich gemeistert werden kann! So kann es vorkommen, dass ein testerfahrener Hochbegabter als solcher nicht erkannt wird, oder ein Mensch zum Hochbegabten trotz fehlender Potenziale stilisiert wird. Dieses Problem ist bis heute leider noch nicht geklärt!
Insofern ist der Umgang mit Begabungsdiagnosen nicht immer stressfrei.

Begabungsdiagnostik in der Schule
Im schulischen Bereich ist die psychologische Diagnostik nicht flächendeckend vorhanden, auch ist sie in den diversen Schulberatungsstellen nicht entsprechend verfügbar.
Daher wird hier immer wieder gern auf Fragebögen und Merkmalslisten zurück gegriffen. Weit verbreitet ist die Merkmalsliste von James T. Webb et al aus dem Buch "Hochbegabte Kinder. Das große Handbuch für Eltern" aus dem Jahr 2012. Hier sind viele Merkmale ausgewiesen, an denen hochbegabte Kinder in Ansätzen erkannt werden können. Auf solchen Listen basieren Fragebögen, die z.B. von der Schweizerin Joelle Huser in ihrer Publikation "Lichtblick für helle Köpfe" veröffentlicht wurden. Solche Fragebögen dienen ebenfalls der Identifizierung möglicherweise begabter Kinder, um diese entsprechenden Fördermaßnahmen zu zuweisen.

Am Österreichischen Zentrum für Begabungsförderung und Begabungsforschung (ÖZBF) wurde für das multidimensionale Beratungstool (mBET) entwickelt, mit dem Schüler*innen mit möglichen Begabungen in einem kollaborativen Verfahren beraten werden können.

© Michael Hänsel